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Panama Papers: Der größte Leak aller Zeiten

Beitragsbild: Global Panorama

Was haben Lionel Messi und der Taufpate von Wladimir Putin gemeinsam? Beide dürften gerade womöglich schlecht schlafen, denn sie stehen auf der bisher größten Leak-Liste aller Zeiten:
Es geht um Offshore-Firmen und Verschleierung von Geldern.

Auf dieser Seite habe ich bereits beschrieben, wie man an Daten kommen kann, um sie dann journalistisch aufzubereiten. Eine Möglichkeit habe ich dabei bislang übergangen: den Leak. Denn davon profitieren freie Datenjournalisten eher weniger, sondern Big Player, wie die Süddeutsche Zeitung. So geschehen vor etwa einem Jahr, als eine anonyme Quelle der SZ Daten zukommen ließ, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellen.

2,6 Terabyte Daten, das sind über 100 Blu-ray-Disks voller Daten, darunter eine gute Millionen Bilder und fast fünf mal so viele E-mails. Konversationen von bekannten Sportlern, Politikern, Mafiosi. Dieser Leak hat laut Medienberichten schon jetzt sogar aktive Staatschefs geoutet. Insgesamt ist die Rede von 214.000 Briefkastenfirmen, über die illegal Gelder an der Steuer vorbeigeschafft wurde..

Nicht nur Lionel Messi findet sich auf der Liste wieder. Die SZ sieht sogar Verbindungen zum FIFA-Skandal:

Zudem finden sich in den Unterlagen Spuren zur Fifa-Affäre. So hat der uruguayische Anwalt Juan Pedro Damiani, der als Mitglied der Fifa-Ethikkommission den Sportverband säubern soll, offenbar ausgerechnet drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen, über die womöglich Funktionäre bestochen wurden.

Ein Lehrstück des Datenjournalismus

Beteiligt war nicht nur die SZ, hunderte Journalisten weltweit haben geholfen, Datenjournalismus regelrecht zu feiern. Angesichts dieser schier unüberschaubaren Datenberge war das sicher keine leichte Aufgabe, aber eine, die sich gelohnt haben dürfte. Denn natürlich ist es mit dem Vorliegen und Durchforsten der Daten nicht getan.

Es ging darum, VErschleierungen zu entwirren. Jeder, der zahlreichen Namen auf der Liste musste durchleuchtet werden. Nicht alle Verbindungen zu Offshore-Firmen sind zudem zwangläufig illegal.

Das erschwerte auch die Arbeit der Journalisten. Oftmals halten die Vermittler der Offshore-Firmen – Banken, Anwälte, Vermögensberater – den Namen der Kunden nämlich geheim oder setzen Strohmänner ein. Tausenden Spuren gingen die Journalisten innerhalb der internationalen Kooperation nach und prüften Belege, studierten Verträge und sprachen mit Experten.

Edward Snowden nennt den Fall “den größten Leak in der Geschichte des Datenjournalismus.”

Scheinbar werden in den nächsten Tagen noch einige Leakbomben platzen.

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Wie real ist Virtual Reality heute?

Ein Vorteil, wenn man am Cologne Games Lab studiert: Man sitzt direkt an der Quelle. Möglicherweise hätte ich es sonst wieder verpasst, mich für den Clash of Realities anzumelden, was wirklich ärgerlich gewesen wäre. Der Clash, der sich selbst als artistic-scientific research conference bezeichnet, versammelt Profis, die Games aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchten. Leider ist es bei einem so umfangreichen Line-Up nicht möglich, alles einzufangen, was spannend ist. Ich habe mich nichtsdestotrotz an einem groben Einblick versucht.

Zur Auswahl standen vier Summits:
Beyond Reality! – New Perspectives in Game Development Summit

Ethics in Digital Games – Media Education Summit

Creating Storyworlds – Film & Games Summit

Teaching Game Studies – Game Studies Summit

Ich habe mich für Beyond Reality entschieden. Ein kurzer Überblick:

 

VR auf der Achterbahn

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Ja, ein Werbevortrag- aber auch eine spannende Idee: VR auf der Achterbahn.

Es klingt erstmal albern. Warum sollte man einer Achterbahn – die nachweislich dazu gebaut wurde, Spaß zu haben – entfliehen, um sich in virtuelle Welten zu stürzen? Thomas Wagner hatte auf jeden Fall ein, zwei ganz gute Argumente parat. Zumindest machen die Videosimulationen Lust, sich selbst einmal von geflügelten Pferden in einer Kutsche durch den Nachthimmel ziehen zu lassen. Der VR-Erfahrung andersherum tut die Achterbahn-Idee auf jeden Fall gut. Spätestens seit meinem Parabelflug vor ein paar Wochen ist ein Argument für mich ein wirkliches Thema: Bewegungskrankheit. Die Achterbahnfahrt erzeugt die wirklichen G-Kräfte, der Körper spürt, was das Hirn erkennt. Das ist sonst nicht der Fall.

Das ist ohnehin eines der großen Probleme von VR. So war es schon Anfang der 1990er Jahre und so ist es – in abgeschwächter Form noch heute. Bewegt man sich durch virtuelle Welten, ohne den Körper gleichermaßen zu bewegen, ist das Gehirn verwirrt. Fiese Übelkeit ist die Folge. Das ist wie auf einem schaukelnden Segelboot. Der Magen kann noch so stark sein. Geht man unter Deck, wird der Körper weiter durchgeschaukelt, das Gehirn erkennt aber keinen schwankenden Horizont,  der Körper reagiert … ziemlich fies.

Simuliert man die entsprechenden Bewegungen, beispielsweise auf der Achterbahn, wird dieses Problem eliminiert.

 

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Arnulf Fuhrmann spricht über spannende Projekte aus dem Motion-Capture-Studios des CGL.

 

Das man nicht im gleichen Raum sein muss, um Multiplayermodi zu zocken, ist … nicht wirklich neu. Trotzdem hat Arnulf Fuhrmann einigen Zuhörern nochmal ein paar neue Denkanstöße gegeben. So kann man in Verbindung mit Motion Capture reale „Projektionen“ erzeugen, um diese weltweit zu teilen. Als spielerisches Beispiel zeigt Fuhrmann einen Paintball-artigen Ego-Shooter, bei dem zwei Charaktere gegeneinander antreten, die sich überall auf der Welt befinden können (naja, zumindest überall dort, wo es ein Motion Capture-Studio gibt). Fuhrmann räumt aber auch technische und finanzielle Hürden ein, so sei die Verzögerung noch ein Problem, genauso wie der Fakt, dass eine detaillierte Darstellung von Gesichtsmimik und Handbewegungen noch sehr aufwenig und teuer ist.

 

Nutzen, was da ist – nicht, was kommen soll.

Clemens Hochreiter arbeitet nach der Devise: Aktuelle Technik nutzen und nicht auf Innovationen warten. So kombiniert er beispielsweise  Exit-Games mit Virtual Reality, allerdings nicht über VR-Brillen, sondern über Projektionen, da so die Gruppendynamik nicht gestört werden soll. Auch hier wird wieder deutlich, dass man aus der aktuellen Technik noch einiges rausholen kann. Für coole Anwendungen reicht es aber. Und diese sind wichtig, um Leute zu begeistern und neue Ideen zu kreieren.

 

Back to the future- Serious Game

Dass nicht alle Vorhersagen aus Zurück-in-die-Zukunft II aufgegangen sind, haben wir spätestens am 21.10.2015 erkennen müssen. So werden die meisten Computerspiele tatsächlich immer noch mit den Händen gespielt.Dass das nicht immer so bleiben muss, zeigen zum Beispiel die Neurofeedbackspiele, wie Isabela Granic sie auf dem Clash vorstellte. In Mindlight soll man allein mit dit einer Veränderung in der Frequenz der Hirnwellen die Spielstimmung verändern: Ist man aufgeregt, wird es dunkler. Das ist nicht nur ein cooles Gymmick. Das Ganze soll tatsächlich Angstpatienten helfen, sich von den jeweiligen Ängsten zu lösen – durch Konfrontation. Wer die Dunkelheit also scheut, der muss lernen, sich zu beherrschen, um diese zu vermeiden.

 

Und nun?

In zwischenzeitlichen Roundtables gab es die Möglichkeit, nachzufragen. Auf meinen Einwand, dass Fotorealimus zwar nicht mehr so fern ist, aber wirklicher Realismus gerade im journalistischen Kontext interessanter sei, gab es gemischte Antworten. Clemens Hofreiter kommt selbst aus dem Dokufilm-Bereich und würde gerne mehr 360-Grad-Video-Projekte durchziehen. Leider sei die Nachfrage aber nicht groß genug, um die aufwendigen Produktionen zu refinanzieren. Etwas mehr Hoffnung machte die Antwort von Robin Gray, die mit ihr kleinen Indie-VR-Schmiede in L.A. sitzt. Gerade im Einzugsbereich von Hollywood seien 360-Videos gerade sehr gefragt.

Ich bin dabei, die Ideen liegen in der Schublade. Crowdfunding? Engagierte Partner? Argumente, die Redaktionen überzeugen?

Kuckuck- ich , mitten in einem Horrorfilm

Warum Games dem Journalismus helfen können

Es gibt immer Entwicklungen im Journalismus. Geht es um Innovationen, wie einst die Nutzung von Daten, dann läuft der Journalismus der Industrie oft weit hinterher. Das ist im Übrigen einer der Gründe, warum es auf data16.de länger kein Update gab. Seit dem laufenden Wintersemester arbeite ich in Teilzeit daran, mir doch noch einen Mastertitel auf die Visitenkarte schreiben zu können. Oder ins Impressum meiner Online-Visitenkarte, deren Erstellung gerade ebenfalls viel Zeit kostet.

Das Games Lab

Als ich mich für den Studiengang „Game Development and Research“ am Cologne Games Lab entschieden habe, ging es mir aber weniger um einen Titel, als vielmehr um die Möglichkeit, auch als Journalist neue Wege gehen zu können. Auch wenn man im Bekanntenkreis eher hochgezogene Augenbrauen sammelt, wenn man jetzt nicht mehr irgendwas mit Medien studiert, sondern auch noch was mit Games.
Das Serious Games beispielsweise aber mehr können als pure Unterhaltung zu bieten, habe ich vor einiger Zeit hier im Blog von Markus Bösch erfahren. Ich glaube aber, dass wir da erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Serious Games, Virtual Reality, Augmented Reality… all das kann auch den Journalismus unterstützen. Schließlich ist die Reportage die journalistische Königsdisziplin. Eine Darstellungsorm, die den Leser mit Haut und Haaren in eine Geschichte einsaugen soll, ihm das Gefühl geben soll, er sei mittendrin. Da liegt es in meinen Augen nahe, ihn eben wirklich mitten reinzubringen – in die Geschichte. Und sei es nur virtuell.
Im Internet findet man derzeit einige Videos, in denen Menschen mit albern großen Brillen panisch kreischen, weil sie gerade ihre erste VR- Horror-Erfahrung machen. Wenn dieser Effekt auch sicher erstmal der ungewohnten Situation geschuldet sein mag und weniger dem großartigen Fotorealismus (NOCH sind wir nicht so weit), es zeigt doch, wohin der Weg führen kann.

Mittendrin statt nur dabei

Virtuelle Realität, egal ob über Brillen oder Projektionen, wird das bezahlbar leisten können, davon bin ich überzeugt.  Eine 360-Grad-Video-Reportage aus einem Kriegsgebiet, von einem Flüchtlingsboot oder während einer Führung durch ein ehemaliges Konzentrationslager. Die Technik kann nicht nur vermitteln und informieren, sie kann auch Empathie erzeugen. Ähnlich ist es mit den Serious Games, in dem Fall den Newsgames. Alles in allem ein unglaublich spannendes Feld. Ich bin sicher, dass man noch einige Male auf die Nase fallen wird.
Aber so ist das mit den neuen Versuchen: try and error- und ich bin gerne mit dabei.

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Landesverrat? Warum Netzpolitik mehr Beachtung finden sollte

Es hat zumindest einen positiven Nebeneffekt, wenn gegen jemanden wegen Landesverrats ermittelt wird: Eine unglaubliche Aufmerksamkeit in klassischen und sozialen Medien. Gegen Markus Beckedahl und Andre Meister von netzpolitik.org läuft nun ein solches Verfahren, dass es so seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Eine ernste Sache, schließlich steht -im Falle einer späteren Verurteilung- eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr im Raum.

Und dennoch: Endlich stehen Themen ganz oben auf der gesellschaflichen Tagesordnung, die sonst eher ein Nischendasein fristen. Es geht dabei auch um die Einstufung von Open Journalism, der den Nutzern umfassende Einsichten in heikle Quellen gewährt. So haben Interessierte die Möglichkeit, die Interpretation der Journalisten kritisch zu prüfen, ein Ansatz den ich ebenfalls befürworte.

Worum geht es überhaupt aktuell? Ein sehenswerter 3sat- Beitrag, in dem auch die Arbeit von netzpolitik.org vorgestellt wird:


Seit gestern explodieren die News-Alerts regelrecht, dabei sind sich die Journalisten bislang sehr einig. Sie sehen einen massiven Angriff auf die Pressefreiheit.

In diesem ZON-Kommentar geht der Autor zwar darauf ein, dass auch geheimdienstliche Arbeit schutzwürdig sei, in dem aktuellen Fall positioniert er sich dennoch deutlich: “Das mag manchem auf die Nerven gehen. Aber es ist kein Landesverrat. Es dient dem Schutz der freiheitlichen Demokratie. Und sollte Antrieb für Regierung und Bundestag sein, endlich eine starke Geheimdienstkontrolle einzuführen.”

Die SZ sieht in der aktuellen Entwicklung den Höhepunkt einer monatelangen Auseinandersetzung zwischen Regierung, Opposition und Medien.

Viele Medien ziehen derzeit Parallelen zur Spiegel-Affäre, einem weiteren Fall von Landesverrats-Ermittlungen gegen deutsche Journalisten. Was es damit genau auf sich hat, hat der NDR vor drei Jahren in Videoform aufbereitet.

Zumindest über Öffentlichkeit können sich die Beteiligten derzeit also nicht beklagen. Das Phänomen an sich ist freilich nicht neu. Schon die Enthüllungen von Edward Snowden haben zumindest zeitweise eine breite Diskussion ausglöst. Denen, die es noch nicht kennen, empfehle ich hierzu übrigens das eher ungewöhnliche Interview, das John Oliver mit Edward Snowden geführt hat.

 

Foto: Ivo Mayr

DDJ- Fellows gesucht

Gute Recherche hat ihren Preis. Mit einer spannenden Story-Idee ist es oft nicht getan, eine journalistische Aufklärung braucht eben ihre Zeit und die können oder wollen viele Medienhäuser nicht zahlen. So bleiben tolle Ideen unausgesprochen und gesellschaftliche Probleme im Verborgenen, denn kein Journalist kann seine Miete vom Idealismus allein bezahlen. Doch es gibt Möglichkeiten, sich bei intensiven Recherchen unterstützen zu lassen. Ein Stipendium für Datenjournalisten bietet beispielsweise das Berliner Correctiv. Das Recherchebüro wird als gemeinnützige GmbH von diversen Stiftungen und Mitgliedsspenden finanziert. Mit den Geldern fördert man in Berlin nun weitere Journalisten.

Daniel Drepper ist Senior-Reporter beim Correctiv. Sein Steckenpferd ist die Recherche, schon seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit der Informationsfreiheit. Mit data16 hat Daniel über das Stipendium gesprochen.
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Daniel, Du warst selbst Fellow am Brown Institute for Media Innovation der Columbia University in New York City. Wie wichtig sind solche Erfahrungen „abroad“ für (junge) Journalisten?

Ich bin ganz lange im Studium nicht ins Ausland gegangen. Ich habe auch kein Erasmus-Semester gemacht und das hab ich immer bereut. Das war einer der Gründe, warum ich nach meinem Diplom nach New York gegangen bin. Das war extrem bereichernd, einfach weil man sich ein Jahr mal aus dem rausnehmen kann, was man davor die Jahre gemacht hat. Man bekommt unendlich viele andere Impressionen, hat eine neue Herausforderung. Es war schon nicht einfach, das ganze Jahr Journalismus auf Englisch zu machen. Auch der Anspruch ist da gefühlt höher, da die Konkurrenz viel größer ist. Das hat sehr gut getan, nochmal so einen Push zu kriegen.

 

Du hast unter anderem die Recherche-Plattform fußball-doping.de gegründet. Jetzt bist Du auch bei correctiv für datenjournalistische Projekte verantwortlich. Wieso dieser Hang zu vermeintlich trockenen Daten?

Daten muss man immer als große Anzahl von Geschichten betrachten, die in erfassbarer Form aufbereitet werden. Gerade bauen wir zum Beispiel eine Datenbank für multiresistente Keime auf. Dabei geht es auch um Erfahrungen von Patienten mit diesen Keimen. Wir haben den Leuten die Möglichkeit gegeben, ihre Erfahrungen über einen Fragebogen sehr strukturiert zu hinterlassen. Da gibt es nun also diese Datenbank, die wir auswerten können. Das ist nichts anderes, als wenn wir mit 800 Leuten Interviews geführt hätten, außer dass es natürlich reduzierter ist.

In einem Fragebogen kann man nicht so viel loswerden, wie in einem einstündigen Interview. Aber man hat ja dennoch eine Masse an Geschichten in dieser Datenbank, die man dann strukturiert auswerten kann. Hinter jedem Datenelement versteckt sich eine Geschichte. Gerade, wenn ich investigativen Recherchejournalismus betreiben will, einen Journalismus, der etwas belegen und vielleicht auch verändern will, dann muss ich Belege haben. Das sind entweder Dokumente oder eben große Mengen an Daten, an Anekdoten, die in ihrer Gesamtheit repräsentativ werden und damit ein strukturelles, systematisches Problem beschreiben. Das muss ja eigentlich immer das Ziel sein von investigativem Journalismus. Man will auch eine Veränderung herbeiführen.Das geht dann nicht mehr mit zwei oder drei Einzelgeschichten.

Wenn ich aber eine große Zahl an Geschichten habe, habe ich einen Datensatz. Egal, ob ich mir den selbst baue, ob ich den per Fragebogen erzeugen lasse, einen vorhandenen Datensatz neu interpretiere oder von meinem Auskunftsrecht bei Behörden Gebrauch mache. Hauptsache ich hab am Ende eine Basis, auf der ich Sachen belegen kann.

 

#FRAGAMFREITAG

Du sprichst das Auskunftsrecht an. Die Informationsfreiheitsgesetze (IFG) waren auch Thema Deiner Abschlussarbeit. Ein komplexes Thema, da die IFG Ländersache sind. Wie schätzt Du hier die Situation ein? Was hat sich da in den letzten Jahren getan?

Das Einzige, was sich verbessert hat, ist, dass sich die Behörden langsam aber sicher daran gewöhnen, dass sie Auskünfte erteilen müssen. Das liegt daran, dass über die Jahre mehr Behörden mit diesen Gesetzen in Kontakt gekommen sind. Diese Auskünfte müssen keine einfachen Dokumente sein, es kann sich eben auch um Datensätze handeln. Die rechtliche Situation hat sich in den letzten Jahren aber nicht verändert. Es gibt einfach verschiedene Bundesländer mit verschiedenen Regelungen. Einige, wie Hamburg, machen das sehr gut, die haben ein vorbildliches Gesetz, andere sind da noch weiter zurück. Am hilfreichsten wäre es, wenn ganz viele Journalisten und auch Bürger sich auf die Informationsfreiheitsgesetze berufen würden. So zeigt man, dass Bedarf besteht, damit sich die Behörden irgendwann mal bewegen. Das ist das Einzige, was helfen kann. Darum geben wir hier bei Correctiv auch Workshops in einigen Städten, in denen wir die Bürger über Ihre Möglichkeiten aufklären. Je mehr Leute mitmachen, desto besser. Dafür haben wir auf twitter auch den neuen Hashtag #FRAGAMFREITAG eingeführt. So wollen wir die Menschen motivieren, einmal wöchentlich Fragen zu stellen. So möchten wir dieses essentielle Tool des Auskunftsrechts für Journalisten und Bürger etablieren.

 

Erst wenn man dann an die Daten kommt, kann man Datenjournalismus betreiben. Wie unterscheidet sich der für Dich eigentlich von normalem Journalismus?

Die Möglichkeiten, Sachen zu belegen, sind einfach vielfältiger, wenn ich mit großen Mengen von Geschichten umgehen kann. Wenn ich Interviews führe, kann ich immer nur über Einzelfälle berichten. Wenn ich aber große Datenmengen sammle, verarbeite und sinnvoll veröffentliche, kann ich ganze Problemgruppen und Strukturen offenlegen. Das ist deutlich eindrucksvoller, wichtiger und besser, um Dinge zu belegen. Natürlich brauche ich die Einzelfälle, die Protagonisten und emotionale Aspekte, um Menschen auf das Thema hinzuweisen, aber um wirklich etwas zu belegen und zu verändern, muss ich diese großen Datensätze haben.

 

Bewerbung noch möglich

Ihr erhaltet finanzielle Unterstützung und fördert damit z.B. Datenjournalismus mit speziellen Fellowships. Wie sieht die Förderung konkret aus?

Wir vergeben zehnmal im Jahr ein zweimonatiges Fellowship. Die Zeit muss nicht voll bei uns im Büro abgeleistet werden. Trotzdem freuen wir uns natürlich über möglichst lange Präsenzzeiten in Berlin, weil im direkten Kontakt die Abstimmung einfach besser funktioniert. In der ersten Jahreshälfte haben wir fünf Fellows hier. Für die zweite Hälfte kann man sich noch bis zum 15. März bewerben. Gefördert wird das Fellowship von der Rudolf-Augstein-Stiftung (gemeinnützige Stiftung aus dem Nachlass des ehemaligen “SPIEGEL”- Verlegers, Anm. d. Redaktion). Die hat uns überhaupt erst ermöglicht, die Fellows zu bezahlen. Immerhin können die teilweise keine anderen Geschichten nebenher machen, manche müssen sich unbezahlten Urlaub nehmen. Auch eine Unterkunft in Berlin wird finanziert.

 

Die Förderbeträge sind also individuell?

Ja, genau. Das kommt darauf an, wie aufwendig das Projekt ist, manche brauchen auch einfach mehr Zeit. Es ist immer so, dass man davon leben kann.

 

Derzeit sitzt eine Stipendiatin bei Euch im Büro. Erzähl mal, was macht die gerade?

Unsere aktuelle Fellow ist Vanessa Wormer, die sonst bei der Heilbronner Stimme als Online-Redakteurin arbeitet. Vanessa hat sich schon vorher immer wieder für Open Data und Datenjournalismus interessiert und auch schon ein paar spannende Projekte veröffentlicht. Bei uns recherchiert sie jetzt systematische Datengeschichten im Bereich Pflege. Da schaut sie aktuell, was überhaupt möglich ist. Es ist bei Datengeschichten ja oft so, dass man besondere Geschichten machen will, denen dann aber die Datengrundlage fehlt. Vanessa hat daher gerade einen Fächer von fünf, sechs möglichen Geschichten und schaut nun, welche sie mit Daten umsetzen kann. Das läuft bisher sehr angenehm. Vanessa ist jetzt eine Woche hier und am Anfang haben wir uns zusammengesetzt mit ihr, Programmierern und noch drei anderen Kollegen. Da waren auch welche dabei, die sich mit dem Bereich Pflege schon befasst haben. So können wir das sehr gut koordinieren und helfen, wo es möglich ist. Auch beim Thema Auskunftsrechte stehen wir dann natürlich zur Seite. Gerade kombinieren wir die Stärken von Vanessa mit denen von Correctiv und wollen uns dann in den nächsten zwei Wochen auf eine Geschichte fokussieren.

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Daniel Drepper betreut die Fellows während des Stipendiums Fotos: Ivo Mayr

Datenjournalismus wird in Deutschland beachtet, aber in vielen Redaktionen nicht wirklich gefördert. Wie helft Ihr denn den Fellows, die Stories nachher an die Redaktionen heranzutragen?

Wir helfen natürlich und sehen nach Kooperationspartnern. Ich glaube aber auch, dass in den Redaktionen ein Umdenken eingesetzt hat. Als Datenjournalismus in Deutschland aufkam, wurde dieser oft mit Datenvisualisierung gleich gesetzt. Dabei ging es dann um den schönen Effekt. Eigentlich liegt die Betonung auf dem Journalismus im Wort Datenjournalismus. Ich glaube, das kommt jetzt mehr und mehr. Das ist das, was die Amerikaner seit 40 Jahren machen, da heißt es dann computer assistet reporting (CAR) oder precision journalism. Da geht es mehr um die Wissenschaftlichkeit als um die einzelne Geschichte.

 

Muss ein Datenjournalist programmieren können oder reicht es aus, ein Teamplayer zu sein?

Ich finde, jeder sollte das machen, worauf er Lust hat. Wenn jemand das Gefühl hat, dass es ihm zusagt, macht es sicherlich Sinn, auch Code zu verstehen und einen Scraper bauen zu können. Genauso macht es Sinn, Statistikprogramme wie R nutzen zu können. Wenn man da überhaupt keinen Bock drauf hat und den Zugang nicht findet, ist es auch gut, sich soweit rein zu lesen, dass man versteht, wie alles funktioniert, offen für Neues ist und sich überlegt, wie man was einsetzen kann. Man muss dann eben nicht stundenlang Tabellen abtippen, sondern weiß, dass ein Kollege die gleiche Tabelle in zwanzig Minuten erstellen kann. Ich zum Beispiel bin kein Coder. Ich kann nicht programmieren. Ich habe in den USA ein bisschen mit R gearbeitet und kann in Programmiersprachen grob ablesen, was sie aussagen. Das ist aber nicht meine Stärke. Die liegt darin, dass ich mich mit Auskunftsrechten auskenne und weiß, wie man als Journalist mit Menschen rede. Ich weiß, was eine Geschichte ist. Wenn so eine Seite einem eher liegt, ist das auch okay.

 

Große Chance für neue Ideen

Jetzt gibt es aber ein großes Problem. Viele Redaktionen können sich keine gute Recherche mehr leisten. Da ist so ein Fellowship sicherlich eine interessante Alternative für Journalisten. Ist das die Finanzierungsform der Zukunft oder wird es bei einzelnen Leuchtturmprojekten bleiben?

Ich glaube, dass es mehr werden wird, viel mehr. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass solche Institutionen, wie die New York Times in den USA oder der Spiegel in Deutschland überleben, einfach weil es sehr starke Einrichtungen sind, die sich in entscheidenden Momenten gegen andere starke Einrichtungen (wie den Staat, Polizei, Justiz) durchsetzen können. Wenn man nur noch kleine Büros mit wenigen Mitarbeitern hat, kann das schwierig werden. Dann muss man sich vielleicht Partner suchen, die bereit sind, die vierte Gewalt zu verteidigen. Vielleicht muss man dann stärker mit Unis kooperieren, die dann hinter einem stehen, wenn man sich beispielsweise gegen den Staat wehrt. Ich glaube, dass es viel mehr wird und ich glaube, das die Chancen gerade sehr groß sind, was innovatives aufzuziehen, weil aus großen Einheiten seltener neue Sachen entstehen. Deswegen bin ich da schon sehr zuversichtlich.

 

Daniel, vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Ivo Mayr

 

Serious? Games?

Newsgame Storyboards
Wie beim Film: Storyboards geben erste Eindrücke von den Games.
Foto: Guy Degen

Mischt man gelbe und blaue Flüssigkeit, erhält man eine grüne. Klingt banal und wenn man es nicht weiß, kann man es jederzeit nachschlagen. Ich muss es aber nicht nachschlagen, denn es hat sich bei mir eingebrannt. Schuld daran ist Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat, der mit der gemischten grünen Flüssigkeit den Spuck-Wettbewerb auf Booty Island gewinnen kann. Das ist die erste Erinnerung, die ich mit spielerischem Lernen verbinde. Aber als Newsgame geht Monkey Island deswegen vielleicht doch noch nicht durch. Denn Newsgames sind eine ganz neue Kategorie im Journalismus, zumindest in Deutschland. Das hier der ein oder andere überhaupt schon mal davon gehört hat, liegt möglicherweise an Marcus Bösch. Der Journalist hat gerade den ersten Newsgame-Hackathon Europas in Köln organisiert. Dabei haben sich Teams aus Journalisten, Programmierern und Game-Designern zusammengetan, um in kürzester Zeit Newsgames zu entwickeln. Data16 hat bei Marcus Bösch nachgefragt, was es mit dieser neuen Art von Journalismus auf sich hat.

 

Marcus Bösch
Marcus Bösch
Foto: Guy Degen 

 

 

Marcus, Was sind überhaupt Newsgames?

 

Newsgames bezeichnen die Kombination aus digitalen Spielen und journalistischen Inhalten. Das ist ein Konzept, was seit gut zehn Jahren international ausprobiert wird. Newsgames kommen aus dem angelsächsischen Raum, sind inzwischen aber auch sehr erfolgreich in anderen Ländern eingesetzt worden, bspw. in Brasilien und Frankreich. Deutschland hinkt da ein bisschen hinterher und das würde ich gerne ändern.

 

Das kennt man ja auch vom Datenjournalismus. Wieso hängt Deutschland mal wieder hinterher?

 

In Deutschland ist der Druck noch nicht so hoch. Es gibt noch ein sehr pluralistisches Mediensystem, es gibt viele tolle Qualitätsblätter. Wenn es einem gut geht, ist der Druck auch nicht so hoch, etwas ändern zu wollen. In den USA sieht das anders aus. Da gibt es einige mittelgroße Städte ohne eigene Lokalzeitung, das ist eine ganz andere Ausgangslage.

 

Du würdest also gerne etwas ändern in Deutschland. Heißt das, Du willst mehr Journalisten motivieren, sich mit Newsgames zu beschäftigen oder möchtest Du denn Markt selbst stärker bedienen?

 

Ich hab da schon einen  breiten, idealistischen Zugang. Nach der inzwischen doch relativ flächendeckenden Verbreitung von Datenjournalismus und der Nutzung von Datenvisualisierungen, denke ich, dass die Auseinandersetzung mit Games den Journalismus auch in Deutschland im 21. Jhd. , der ja zumeist auf digitalen Ein- und Ausgabegeräten funktioniert, durchaus noch ein bisschen weiter bringen könnte. Der Ansporn ist, das Thema einfach mehr zu etablieren und dafür zu sorgen, dass es noch mehr interaktive, spielerische, journalistische Produkte gibt. Und natürlich möchte ich mit meinem Game Studio the Good Evil auch mehr Newsgames für Kunden umsetzen.

 

Bei dem Newsgame-Hackathon gab es nun immer Teams, deren Mitglieder sich gegenseitig ergänzt haben. So gab es unter anderem einen Journalisten und einen Programmierer in jedem Team. Wie sinnvoll ist es vor diesem Hintergrund für Journalisten, das coden auch selbst zu lernen?

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Ein Grundverständnis vom Programmieren sollten Journalisten mitbringen.
Foto: Guy Degen

 

Was generell glaub ich sehr wichtig ist, ist ein grundlegendes Verständnis von Programmierung, von  Grafik, von User-Experience und technischen Vorgängen im Allgemeinen. Denn nur mit einer gewissen Grundkenntnis kann man dann auch auf Augenhöhe mit den jeweiligen Team-Mitgliedern kommunizieren. Ich glaube, dass erfolgversprechende Konzepte in Zukunft von kleinen, aber handlungsfähigen Teams erstellt werden.

 

Wie bekommen Interessierte denn dieses  grundlegende Verständnis, wenn bisher noch keine Berührungspunkte da waren?

 

Erstmal sollte man herausfinden, was einen aus diesem großen Feld der neuen Möglichkeiten wirklich interessiert. Dann gibt es mittlerweile unfassbar viele video-gestützte oder interaktive Tutorials im Netz, ergänzend dazu kilometerweise Lektüre oder sonstige Angebote. Also daran mangelt es sicher nicht. Umso wichtiger ist aber eine klare Fokussierung im Vorfeld, um herauszufinden, was man eigentlich können will und was man können muss. Denn wenn man jetzt wahllos mit unzähligen Tutorials startet, ist das wohl eher kontraproduktiv.

 

Wo kann der blutige Anfänger also einsteigen, ohne sich direkt zu verrennen?

 

Da gibt es einige Online-Dienste mit schönen generellen Einführungen (bspw. Coursea.org) zum Thema Transmedia oder Gamification. Da kann man erstmal  gucken und sich vielleicht erst dann auf einen passenden Weg fokussieren. Es wird zunehmend aber auch noch mehr CMS-basierte Lösungengeben, mit denen man einfache Spiele oder Datenvisualisierungen umsetzen kann, ohne jetzt selber großartig coden zu müssen. Siehe beispielsweise Datawrapper o.ä.

 

Du selber hast in Köln den berufsbegleitenden Master Game Development and Research absolviert. Ist das ein Weg, den Du im Nachhinein für Interessierte empfehlen kannst oder ist das eine Nummer zu hoch für unerfahrene Neugierige?

 

Es deckt auf jeden Fall Grundbedürfnisse und öffnet Türen und Fenster. Dann kann man immer noch entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Ob man jetzt wirklich selber programmieren können will oder ob man nicht eher sein Heil im Game-Design sucht und findet. So ein Studium dient natürlich noch mal der Fokussierung und ist eine schöne Möglichkeit, Zeit und Raum zu haben, um Wissen einzusammeln.

 

Nochmal zu dem Newsgame-Hackathon, den du gerade in Köln organisiert hast. Das war der erste dieser Art in Europa. Wie war die Premiere?

 

Ich bin sehr, sehr zufrieden mit unserem Newsgame-Hackathon, weil wir sehr hochkarätige internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten. Da waren Journalistinnen und Journalisten vom Guardian, von Le Monde, Menschen aus Schweden und Spanien, Leute, die sonst für die BBC oder Wired in Großbritannien arbeiten. Aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk war vertreten mit dem NDR und der Deutschen Welle, dann ein komplettes Team der Süddeutschen Zeitung… also es war eine sehr heterogene, aber sehr gute Gruppe beisammen.

 

Man muss aber nicht schon einen Namen in der Szene haben, um bei einem Hackathon mitzumischen?

 

Man konnte sich im Vorfeld bewerben. Uns war wichtig, dass wir später Teams hatten, die aus Journalisten, Programmierern und Game-Designern bestehen, damit man im Team auch wirklich was schaffen kann. Wenn man ein Team hat aus fünf Journalisten, die noch nie in ihrem Leben ein Game gemacht haben, wird nach anderthalb Tagen vermutlich auch nichts rauskommen, was spielbar ist. Genauso sieht es aus bei einem Team, das aus vier Programmieren aus, die ohne Input eines Game Designers bzw. ohne journalistischen Input bleiben.

 

Siehst du in Newsgames die Zukunft des Journalismus?

 

Das ist sicher nicht DIE Zukunft des Journalismus, aber vielleicht EINE mögliche. Die Zukunft kennt ja nun leider niemand. Der einzige Weg sie zu entdecken ist, Dinge auszuprobieren. Newsgames haben einen großen Vorteil: Sie sind eine Hybrid-Lösung. Sie verbinden zwei Sachen, die man nicht direkt miteinander in Verbindung bringen würde. Das ist stark, da kommen oft interessante und spannende Lösungen raus. Im Vordergrund stand wirklich das schnelle Ausprobieren, um sofort evaluieren zu können: ist das was oder eben nicht. Das ist eine ganz andere Herangehensweise als die der klassischen Medien. Da gibt es oft Projekte mit monatelangen Laufzeiten, die manchmal die ganze Mühe dann aber vielleicht gar nicht wert sind, weil sie niemand anschaut.

 

Du leistest in der deutschen Newsgame-Szene Pionierarbeit. Kann man als interessierter Journalist noch auf den Zug aufspringen?

 

Klar, in Deutschland gibt es erst ein einziges Newsgame, welches wir im letzten Jahr als the Good Evil an vier Tagen prototypisch umgesetzt haben. Da ist also noch sehr viel Luft nach oben. Also immer her mit den Versuchen und Beispielen. Es gibt zahlreiche Tools wie Construct oder Gamemaker, mit denen man im Baukastenprinzip Games zusammenbauen kann. Da kann ich nur jeden zu ermuntern.

 

Wo Du schon the Good Evil ansprichst: „The Good Evil is developing serious games“. So steht es auf der Homepage. Was sind serious games?

 

Serious Games ist vielleicht eine unglückliche Vokabel, es gibt im Moment aber leider noch keine andere, die sich durchgesetzt hätte. Die Idee dahinter ist einfach. Wir machen Spiele, mit denen man etwas lernen kann, etwas erfahren kann. Spiele, die nicht nur da sind, damit man sich locker flockig unterhalten kann. Bei uns gibt es beispielsweise eine Abenteuerspiel-App für Kinder: Squirrel & Bear. Während man das spielt, kommt man in Kontakt mit 900 englischen Vokabeln und kann zumindest ein Grundverständnis für die Sprache entwickeln. Wir haben auch ein Puzzlespiel, das Spaß macht, zugleich aber Bilder aus dem Bundesarchiv zeigt, die einen durch die deutsche Geschichte führen. Die Kombination aus Wissen, Erlebnissen und Interaktivität ist uns wichtig.

 

Bei der App hast Du konkrete Download-Zahlen. Wie wird sie angenommen?

 

Es funktioniert gut. Das Feedback von Eltern und Kindern ist positiv. Ich glaube, das ist eingebettet in einen Prozess, der so aussieht: Das Lernen und Lehren im 21. Jahrhundert funktioniert nicht mehr nur mit Schultafeln und Kreide,  Lernen wird viel individueller, interaktiver und digitaler. Wenn Lernen dann auch wieder neu Spaß macht, weil man etwas selber erleben kann, statt ein Lehrbuch zu lesen, weist das, glaube ich, den richtigen Weg. Das wird nicht alles in zwei, drei Jahren passieren, aber ich bin ganz sicher, dass das der Weg ist, den wir in den nächsten Jahrzehnten gehen werden. In dieser Entwicklungslinie sehen wir uns und wollen noch zahlreiche, weitere Spiele umsetzen.

 

Marcus, Danke für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Under construction

16. März 2014 – ein besonderes Datum für data16. Besonders ist es eigentlich, weil es den 20. Blogeintrag bedeutet. Besonders ist es aber vor allem, weil es diesmal keinen Eintrag zum Thema Datenjournalismus gibt. Gründe dafür gibt es viele. In erster Linie aber soll der Blog inhaltlich und äußerlich erwachsen werden. Einige Strukturen werden in der nächsten Zeit angepasst, abgeschafft und neu erschaffen. Inhaltlich soll sich data16 noch mehr mit dem praktischen Nutzen von Datenjournalismus beschäftigen. Hierfür braucht es aber etwas Zeit und die Brot- und Butter- Jobs nehmen gerade im Moment zuviel davon in Anspruch. Aber erste Pläne stehen schon, so dass auch der 16. April ein ganz besonderes Datum für data16 wird. Dann gibt es den ersten Schritt der Umstellung zu dem erwachsenen Blog, der er immer sein wollte. Ich freue mich! Bis zum 16.

 

Voneinander lernen

Warum mag ich Datenjournalismus so gerne? Was reizt mich daran? Solche Fragen habe ich mir oft gestellt, bevor ich data16.de ins Leben gerufen habe. Die Antwort war schnell gefunden. Ich mag es, wenn jemand aus einem schwer überschaubaren und nichtssagenden Wust an Zahlen etwas erschafft, was es anderen ermöglicht, diese Daten zu lesen, sei es in einem statischen Diagramm, einem Bild, interaktiven Elementen oder welcher Darstellungsform auch immer. Was ich außerdem mag: eine Transparenz, die man in manch anderen journalistischen Bereichen lange suchen muss. Die Kollegen von SPON haben das jetzt wunderbar kombiniert. Nach mehrmaligen Strategiewechseln in der Recherche ist eine spannende Karte entstanden, die die Bevölkerungsverteilung in Deutschland nach geographischen Regionen skiziert. Ein  gelungenes Endergebnis, bei dem man es eigentlich belassen könnte. Die Macher wollten aber auch deutlich machen, wie es zu diesem Resultat kam. Dass eigentlich etwas anderes geplant war und ,man zwischenzeitlich von logischen Hürden aufgehalten wurde, kann man dem Begleittext entnehmen. Das ist die Transparenz, die ich meine. So können Datenjournalisten voneinander lernen. Ein motivierendes Beispiel.

Programmieren für Anfänger

Es ist das mittlerweile alte Lied. Muss ein Journalist heute programmieren können oder nicht? Die Meinungen gehen da häufig auseinander. Ich mache es mir einfach und behaupte, dass der Weg – wie so oft – in der Mitte liegt. Wenn man an multimediale Über-Projekte denkt, wie The Jockey der New York Times, dann sage ich: vergiss es! In das Ding hat ne Mannschaft von Spezialisten eine Menge Schweiß investiert. Doch ist es in meinen Augen egal, ob man kleine Visualisierungen plant, oder Teil eines solch großen Teams ist, ein Grundverständnis kann nie schaden.

Das eine tun, das andere nicht lassen

Man kennt das doch beispielsweise auch vom TV-Journalismus. Der Realisator muss für seinen Job theoretisch nicht wissen, wie man Schnittregeln beachtet. Es wäre aber von Vorteil. Jeder der selbst mal ohne Schnitterfahrung gedreht hat, merkt das. Wenn man am Set auch denkt wie ein Cutter, dann wird man die richtigen Anschlüsse drehen und im Nachhinein weniger Material in die Tonne treten. Das spart beiden Kollegen eine Menge Stress und nutzt im Endeffekt vor allem dem journalistischen Produkt.

Mit dem Hintergrund habe ich mich auch ein ums andere Mal eher halbherzig an Programmier-Basics begeben. Als Ergebnis entstand ein grafisch so unterbelichtetes Quizspiel, dass mich selbst die Amiga-500-Generation mit ausgestrecktem Finger ausgelacht hätte. Nun hat mir ein guter Freund aber die Codecademy empfohlen.

Hier soll einem häppchenweise das kleine Einmaleins der Programmierung beigebracht werden. Einen Versuch ist es wert. Bastel deine eigene Online-Präsentation in 30 Minuten? Mal sehn. Lektion 1 hat 21 Kapitel und schon nach drei Minuten sehe ich oben rechts die ersten Ergebnisse.

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Wow, ich kann meinen Namen zentrieren (Glückwunsch). Aber immerhin arbeite ich mit HTML5 anstatt mich nur auf WordPress zu verlassen, wie bei data16.

Und schon bald geht es etwas tiefer hinein. Sorgt HTML für Text uns Struktur folgt in Lektion 1 auch schon CSS, eine Sprache für Stilvorlagen. Das tut auch meiner Beispielseite sichtlich gut.

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Bin ich zufrieden mit dem Resultat? Um Himmels Willen, nein! Aber die Seite entstand immerhin durch einen Anti-Programmierer in einer guten halben Stunde. Das macht zumindest Lust auf mehr, also ab damit zu meinen Favoriten. Was gibt es noch für Erfahrungen mit Codecademy, vielleicht auch von Leuten mit mehr Erfahrung im Programmieren? Ich bin gespannt.

Gutes Rutschen

Data16 gibt es mittlerweile schon eine geraume Zeit. Obwohl ich am Anfang nicht wirklich wusste, wie lange ich bei der Stange bleiben würde, macht es mir nach wie vor unheimlich viel Spaß, Monat für Monat hier zu veröffentlichen. Mal bleibt viel Zeit für die Suche nach einem neuen Thema, mal läuft alles etwas nebenher. Das ist sicher normal, aber eigentlich nicht mein Anspruch. Daher mein Vorsatz für das neue Jahr: Mehr Zeit in data16 investieren und vor allem in den Datenjournalismus.

Durch den Blog habe ich jetzt schon interessante Kontakte geknüpft und erste Ideen für kreative Zusammenarbeiten sind entstanden. Das gefällt mir auch so sehr am Datenjournalismus: das gemeinsame Ausprobieren. Wem es noch so geht, der kann sich gerne an mich wenden, Mitstreiter sind immer willkommen. Gemeinsam fällt es leichter, nicht nur drüber zu reden, sondern etwas anzupacken, auf das man nachher gerne angesprochen wird.

Soweit zu meinen Vorsätzen. Ich wünsche allen Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch!

Martin Pieck